Der erste Arbeitstag nach dem Herzinfarkt

Es ist so weit: Ihr Arzt hat Sie nach Ihrem Herzinfarkt gründlich untersucht, für arbeitsfähig erklärt und Sie fühlen sich bereit, einen weiteren Schritt zurück in Ihr altes Leben zu gehen. Nun steht der erste Arbeitstag vor der Türe. Ob nach drei Monaten oder einem ganzen Jahr: Die meisten blicken diesem Tag mit einer Mischung aus Vorfreude und Besorgnis entgegen. Damit bei Ihnen der Optimismus überwiegt, haben wir hier ein paar Tipps für Sie zusammengestellt.

Man or male businessman relaxing feet up at a desk with a computer in a green field drinking tea or coffee © Darren Baker / Fotolia

Halten Sie Kontakt

Schon während der Krankschreibung oder Reha können Sie, sofern Sie die Kraft dazu haben, Kontakt zu Ihrem Arbeitgeber, Vorgesetzten oder Ihren Kollegen halten. Das müssen keine wöchentlichen Anrufe sein, ein kurzes Telefonat ab und zu hält den Kontakt frisch und erleichtert Ihnen den späteren Wiedereinstieg.

Keine Angst vor neugierigen Kollegen

An Ihrem ersten Arbeitstag werden die Kollegen natürlich neugierig sein – das legt sich in der Regel nach den ersten Stunden oder spätestens nach einigen Tagen. Viele Ihrer Kollegen sind vielleicht auch selbst unsicher. Sie wissen nicht, wie sie mit der Situation umgehen sollen und machen sich Gedanken:

Welche Fragen dürfen sie stellen? Soll das Thema Krankheit angesprochen werden oder lieber nicht?

Wie Sie damit umgehen, sollten Sie von der Beziehung zu den einzelnen Kollegen abhängig machen und nur so viel erzählen, wie Sie wirklich möchten. Ein Herzinfarkt ist Privatsache und Sie dürfen kein schlechtes Gewissen haben, wenn Sie Ihre Privatsphäre schützen möchten.

In kleinen Betrieben oder wenn Sie ein ausgesprochen gutes Verhältnis zu Ihren Kollegen haben, können Sie ihnen auch eine kleine Aufmerksamkeit, zum Beispiel Kuchen mitbringen. Damit zeigen Sie Ihre Wertschätzung dafür, dass die Kollegen Ihre Arbeit mit übernommen haben.

Nehmen Sie sich die Nervosität

Dass Sie vor dem ersten Arbeitstag nach Ihrem Herzinfarkt nervös sind, ist völlig normal. Einigen bereitet die Rückkehr regelrechte Magenschmerzen, obwohl sie gar nichts zu befürchten haben. In der Regel läuft das Wiedersehen mit den Kollegen herzlich und freundlich ab.

Überlegen Sie sich vorher, auf welche Kollegen Sie sich besonders freuen; wie könnte die Begrüßung aussehen? Worüber möchten Sie mit ihnen sprechen? Fragen Sie auch, was es bei ihnen Neues gibt. Indem Sie sich diese Gespräche ausmalen, steigern Sie Ihre Vorfreude und nehmen sich gleichzeitig die Nervosität.

Offener Umgang mit Vorgesetzten

Sprechen Sie so offen wie nötig mit Ihrem Arbeitgeber bzw. Vorgesetzten. Auch für ihn ist es eine neue Situation, auf die er sich erst einstellen muss. Das gelingt am besten, wenn er über Ihren Zustand Bescheid weiß. Betonen Sie Ihre Stärken und Leistungen und legen Sie gemeinsam die Spielregeln fest. Bitten Sie darum, anfangs mit kleineren Projekten betraut zu werden, um sich langsam wieder einzugewöhnen. Versuchen Sie, das Gespräch an Ihrem ersten Arbeitstag oder sogar noch vorher zu führen, damit die Rahmenbedingungen von Anfang an klar sind und es keine Missverständnisse gibt.

Gestalten Sie Ihren Arbeitstag neu

Sind Sie erstmal zurück im Büro, stellt sich schnell der Alltag ein. Fallen Sie nicht in alle alten Muster zurück, sondern versuchen Sie, zwischendurch etwas Gutes für sich zu tun.

• Stress reduzieren. In speziellen Stressmanagement-Seminaren lernen Sie, Stress zu reduzieren und richtig damit umzugehen. Weniger Stress bedeutet eine höhere Zufriedenheit.

• Gesund ernähren. Nehmen Sie sich einen gesunden Snack mit zur Arbeit und vermeiden Sie es, jeden Tag in der Kantine zu essen. Eine ausgewogene und gesunde Ernährung ist besonders nach einem Herzinfarkt wichtig.

• Bewegung. Nutzen Sie Ihre Mittagspause für einen kleinen Spaziergang. Die frische Luft wird Ihnen guttun, stärkt das Immunsystem und macht den Kopf frei für neue Aufgaben.

• Hören Sie auf Ihren Körper. Möglicherweise sind Sie noch nicht so leistungsfähig, wie Sie es sich wünschen. Deshalb hören Sie auf Ihren Körper – sagen Sie offen, wenn Sie überfordert sind und gehen Sie nicht geschwächt zur Arbeit.

Empfehlung: Wie Sie das Risiko eines zweiten Herzinfarkt reduzieren können.

Ausgewogene Work-Life-Balance

Es ist völlig normal, dass Sie sich nach Ihrem ersten Arbeitstag müde und erschöpft fühlen. Auch wenn Sie stufenweise wiedereingegliedert werden und nur wenige Stunden gearbeitet haben, ist es dennoch eine Belastung für Ihren Körper und Sie müssen sich erst wieder daran gewöhnen. Ebenso müssen die ganzen Eindrücke und Gespräche verarbeitet werden. Gönnen Sie sich nach Feierabend Ruhe. Machen Sie etwas, das Sie entspannt: Lesen Sie ein Buch, schauen Sie fern oder gehen an die frische Luft – allein oder mit Freunden.

Was können Arbeitgeber und Kollegen tun?

Wenn Ihr Mitarbeiter oder Kollege einen Herzinfarkt hatte, können Sie vieles für ihn tun, ohne aufdringlich zu sein. Je nachdem, wie gut Ihr Verhältnis ist, können Sie während der Krankschreibung den Kontakt aufrechterhalten. Haben Sie lediglich ein sehr kollegiales Verhältnis, freut er sich auch über Besserungswünsche, zum Beispiel eine kleine Aufmerksamkeit und Grüße aus der Firma bzw. Abteilung. Lassen Sie ihn wissen, dass er am Arbeitsplatz vermisst wird und das Sie sich auf seine Rückkehr freuen – damit erleichtern Sie ihm den Wiedereinstieg enorm.

Wenn Ihr Kollege zurück ist, bemühen Sie sich um einen normalen Umgangston. Vermitteln Sie ihm, dass er jederzeit mit Ihnen sprechen kann, aber bedrängen Sie ihn nicht mit Fragen über seinen Zustand. Unterstützen Sie ihn bei der Arbeit, so gut es geht, aber bevormunden Sie ihn nicht. Zeigen Sie ihm, dass Sie froh über seine Rückkehr sind und seine Leistung schätzen – auch wenn er noch nicht wieder zu 100 Prozent leistungsfähig ist.

Der erste Arbeitstag nach dem Herzinfarkt
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