Erste Hilfe bei Herzinfarkt: Jede Minute zählt

Schmerzen, Atemnot und Angst – wer einen Herzinfarkt erleidet, ist in der Regel nicht in der Lage, die Rettungsmaßnahmen in die eigene Hand zu nehmen. Umso wichtiger ist es für Menschen mit Herzinfarkt -Risiko, früh mit Angehörigen und Freunden über Erste Hilfe im Notfall zu sprechen.

Nicht selten leisten informierte Verwandte durch ihre Erste Hilfe einen entscheidenden Beitrag zum Überleben und zur Schadensbegrenzung. Wie sich Betroffene und Angehörige bei einem Herzinfarkt richtig verhalten, erfahren Sie im folgenden Beitrag.

©i-picture / Fotolia

©i-picture / Fotolia

Das Wichtigste zuerst: Wählen Sie den Notruf 112

Die erste Maßnahme bei einem Verdacht auf einen Herzinfarkt ist, unverzüglich einen Rettungswagen zu rufen. Innerhalb Deutschlands und aller Länder der Europäischen Union gilt hierfür die Notrufnummer 112. Beachten Sie dabei Folgendes:

• Nennen Sie den Herzinfarkt als Grund des Notrufs: Sätze wie „Mein Mann ist gerade zusammengebrochen.“ spiegeln nur einen Teil des Sachverhalts wider. Verdeutlichen Sie, dass es sich um einen Verdacht auf Herzinfarkt handelt. So kann die Notrufzentrale den am besten geeigneten Rettungseinsatz in die Wege leiten.
• Geben Sie alle wichtigen Informationen: Nennen Sie Ihren Namen, den Namen des Betroffenen und Ihren aktuellen Standort. Beschreiben Sie dabei auch, wie der Rettungsdienst Sie schnell finden kann (z. B. Hinterhof, Seiteneingang, welche Etage, etc.).
• Legen Sie nicht auf: Nicht selten beenden Anrufer das Gespräch zu früh und vergessen dabei, der Notrufzentrale wichtige Informationen wie den eigenen Standort zu geben. Selbst wenn Sie glauben, alles bereits gesagt zu haben: Warten Sie auf Rückfragen und legen Sie erst auf, wenn der Notrufmitarbeiter es Ihnen sagt.

Auf keinen Fall sollten Sie bei Verdacht auf Herzinfarkt zunächst den Hausarzt statt des Rettungswagens kontaktieren. Nur der Rettungsdienst hat die Ausrüstung, um wichtige Erste Hilfe bei einem Herzinfarkt zu leisten. Anschließend muss ein Herzinfarkt immer im Krankenhaus behandelt werden. Der Umweg über den Hausarzt würde nur wertvolle Zeit kosten.

Auch selbst in die Klinik zu fahren, ist nicht sinnvoll. Der Rettungsdienst leistet bereits auf dem Weg zur Klinik eine lebensrettende Erstversorgung und gelangt schneller und sicherer zum Krankenhaus.

Erste Hilfe bis der Rettungswagen kommt

Nachdem Sie den Notruf kontaktiert haben, sollten Sie damit beginnen, Erste-Hilfe-Maßnahmen durchzuführen. Ist der Betroffene noch bei Bewusstsein, beachten Sie dabei Folgendes:

• Bringen Sie den Betroffenen in eine bequeme Position mit erhöhtem Oberkörper. Das entlastet das Herz und den Brustkorb. Der Betroffene sollte nicht flach auf dem Boden liegen.
• Öffnen oder entfernen Sie einengende Kleidungsstücke wie enge Kragen, Krawatten oder Gürtel. Dadurch erleichtern Sie dem Betroffenen die Atmung.
• Strahlen Sie möglichst Ruhe aus. Hektisches und panisches Verhalten kann sich auf den Betroffenen übertragen.
• Bleiben Sie bei dem Betroffenen und reden Sie mit ihm. Lassen Sie ihn wissen, dass der Krankenwagen bereits unterwegs ist.

Ist der Betroffene hingegen nicht bei Bewusstsein, sollten Sie Lebenszeichen wie Atmung und Puls prüfen. Fehlen diese, liegt ein Herz-Kreislaufstillstand vor und Sie sollten unverzüglich Wiederbelebungsmaßnahmen durchführen:

• Herzdruckmassage: Legen Sie den Betroffenen flach auf den Rücken und knien Sie sich neben ihn. Legen Sie beide Hände auf den Brustkorb und beginnen Sie mit durchgestreckten Armen regelmäßige Druckstöße auf den Brustkorb zu geben (etwa 2 Stöße pro Sekunde).
• Beatmung? Eine Mund-zu-Mund-Beatmung wird heute von den meisten Experten nicht mehr als Erste-Hilfe-Maßnahme empfohlen. Zum einen ist es in den ersten Minuten der Bewusstlosigkeit wichtiger, den Blutkreislauf aufrechtzuerhalten. Zum anderen kann es passieren, dass die Beatmung falsch durchgeführt und z. B. Luft in den Bauchraum geblasen wird, was einen Brechreiz auslösen kann. Falls Sie die Methode nicht beherrschen, konzentrieren Sie sich deshalb ganz auf die Herzdruckmassage.
• Behalten Sie die Wiederbelebungsmaßnahmen der Ersten Hilfe bei, bis der Betroffene aufwacht oder der Rettungswagen eintrifft.

Tipps für Menschen mit Herzinfarkt-Risiko

Menschen mit erhöhtem Herzinfarkt-Risiko können schon im Vorfeld dazu beitragen, im Notfall die Erste Hilfe zu beschleunigen. Zunächst sollten Sie mit Angehörigen und Freunden sprechen, damit sie im Ernstfall ruhig bleiben und richtig handeln können. Darüber hinaus sollten Sie bei einem Verdacht auf Herzinfarkt nicht zögern, Anwesende darauf hinzuweisen.

Falls Sie selbst dazu in der Lage sind, rufen Sie den Notarzt. Falls nicht, bitten Sie jemand anderen darum. Wichtig ist es, nicht zu zögern oder abzuwarten, ob die Symptome von selbst nachlassen. Im Zweifelsfall ist es besser, den Notruf umsonst gewählt zu haben, als zu spät Erste Hilfe zu bekommen.

Unterstützung rund um die Uhr

Falls Sie Fragen zur Ersten Hilfe oder zu anderen Aspekten der Herzgesundheit haben, bietet Ihnen unser Herzfit-Service rund um die Uhr medizinisches Fachpersonal als Ansprechpartner bei Fragen zu Ihrer Gesundheit. Sie haben auch die Möglichkeit, Messwerte eines kleinen 12-Kanal- EKG für zuhause elektronisch an unsere Zentrale zu übertragen und sofort im Telefongespräch Rückmeldung dazu zu erhalten. Erfahren Sie mehr.

Notruf: 112 oder 19222?
Übrigens: Die alte Rufnummer 19222 ist heute nicht mehr für medizinische Notfälle zuständig. Sie wird lediglich von Ärzten und Klinken verwendet, um Krankentransporte anzufordern. Dennoch wählen viele Menschen im Ernstfall immer noch die ihnen vertraute 19222. Dadurch kann wertvolle Zeit verloren gehen, wenn der Notruf erst an die entsprechende Zentrale weitergeleitet werden muss. Zudem ist die 19222 nicht für alle Fälle abgesichert, während die 112 gegen fast alle Eventualitäten wie ein zusammenbrechendes Telefonnetz oder defekte Leitungen geschützt ist. Die 112 kann EU-weit ohne Vorwahl erreicht werden.
Erste Hilfe bei Herzinfarkt: Jede Minute zählt
5 (100%) 1 vote

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.