Herzinsuffizienz

Bei einer Herzinsuffizienz ist der Herzmuskel so schwach, dass er den Körper nicht ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgen kann. Umgangssprachlich wird diese Erkrankung auch Herzschwäche genannt.

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Was ist eine Herzinsuffizienz?

Reicht die Pumpleistung des Herzens nicht aus, werden die Organe nur ungenügend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Dann sprechen Mediziner von einer Herzinsuffizienz (Herzschwäche). Die Herzinsuffizienz macht sich insbesondere in Belastungssituationen bemerkbar. Die Betroffenen ermüden beispielsweise schneller als erwartet und geraten schneller außer Atem. Die Herzschwäche ist fast immer eine Folge anderer Erkrankungen. Bei etwa 80 von 100 Betroffenen ging der Herzschwäche Bluthochdruck und/oder eine Erkrankung des Herzens voraus.

Mediziner unterscheiden zwischen einer akuten und einer chronischen Herzinsuffizienz:

Akute Herzinsuffizienz:

Eine akute Herzinsuffizienz entwickelt sich rapide innerhalb von Stunden oder Tagen, beispielsweise aufgrund eines Herzinfarkts, einer Infektion des Herzens oder schweren Herzrhythmusstörungen.

Chronische Herzinsuffizienz:

Eine chronische Herzinsuffizienz entwickelt sich schleichend über Monate oder Jahre. Für einen gewissen Zeitraum kann der Körper die Herzschwäche noch ausgleichen, beispielsweise durch einen schnelleren Herzschlag und Verdickung des Herzmuskels. Symptome treten dann erst unter Belastung auf (kompensierte Herzinsuffizienz). Irgendwann sind diese Kapazitäten jedoch ausgeschöpft. Dann staut sich das Blut vor dem Herzen und Wasser lagert sich im Körper ein. Leiden die Betroffenen schon bei geringer Belastung oder sogar in Ruhe unter Atemnot spricht man von einer dekompensierten Herzinsuffizienz.

Insgesamt unterscheidet man drei Formen der Herzinsuffizienz:

Linksherzinsuffizienz:

Aufgabe der linken Herzseite ist es, sauerstoffreiches Blut, das direkt aus der Lunge kommt, in den Körper zu pumpen. Ist der linke Herzmuskel für diese Pumpleistung zu schwach, staut sich das Blut in der linken Herzhälfte und in der Lunge. Durch diesen Rückstau wird Flüssigkeit aus dem Blut in das Lungengewebe gedrückt. Dadurch kann die Lunge nicht mehr genügend Sauerstoff aus der Luft ins Blut aufnehmen. Die Betroffenen haben Wasser in der Lunge und die Luft wird knapp.

Rechtsherzinsuffizienz:

Die rechte Herzkammer ist dafür zuständig, das sauerstoffarme Blut aus dem Körper in die Lunge zu pumpen. Ist der rechte Herzmuskel für diese Pumpleistung zu schwach,, staut sich das Blut vor dem Herzen, was den Druck in den Gefäßen ansteigen lässt. Durch diesen Rückstau wird Flüssigkeit aus dem Blut in das umliegende Gewebe gedrückt. Im Laufe des Tages sackt das Gewebewasser an die tiefste Stelle: die Unterschenkel schwellen an. Bei fortgeschrittener Rechtherzinsuffizienz können weitere Organe betroffen sein.

Globale Herzinsuffizienz:

Bei einer globalen Herzinsuffizienz ist das gesamte Herz betroffen. Es liegen also gleichzeitig eine Links- und eine Rechtsherzschwäche vor.

Abhängig davon wie ausgeprägt Beschwerden wie Luftnot und körperliche Leistungsminderung sind, hat die New York Heart Association (NYHA) die Herzinsuffizienz in vier Stadien eingeteilt:

  • NYHA-Stadium I: Keine Beschwerden, eine altersentsprechende körperliche Belastung ist möglich.
  • NYHA-Stadium II: Beschwerden bei stärkerer körperlicher Belastung
  • NYHA-Stadium III: Beschwerden bei leichterer körperlicher Belastung
  • NYHA-Stadium IV: Beschwerden in Ruhe

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Welche Ursachen hat eine Herzinsuffizienz?

Eine Herzinsuffizienz ist meist die Folge einer anderen, vorangegangenen Erkrankung. Am häufigsten sind das Bluthochdruck oder arteriosklerotische Gefäßverengungen. Diese Vorerkrankungen sind in 70 bis 90 von 100 Fällen für die Herzinsuffizienz verantwortlich.

Bluthochdruck (Hypertonie): Ein Bluthochdruck belastet das Herz. Es muss gegen erhöhten Druck anpumpen und leistet dabei Schwerstarbeit. Um das schaffen zu können, nimmt es an Muskelmasse zu, und die Höhlen des Herzens (Vorhöfe und Kammern) vergrößern sich. So kann das Herz die Mehrarbeit eine Weile kompensieren. Irgendwann ist es in seiner Struktur aber soweit verändert, dass es nicht mehr richtig funktioniert. Es ist dann groß aber schwach.

Gefäßverkalkungen (Arteriosklerose): Die Herzkranzgefäße sind dafür zuständig, das Herz mit Blut und Sauerstoff zu versorgen. Bei einer Koronaren Herzkrankheit (KHK) sind die Herzkranzgefäße durch Kalk und Fettablagerungen verengt (Arteriosklerose). Dadurch wird der Herzmuskel nicht ausreichend versorgt und kann weniger gut arbeiten.

Herzinfarkt: Bei einem Herzinfarkt ist die Blutversorgung des Herzens teilweise unterbrochen. Dabei stirbt ein Teil des Herzmuskels ab. Es entsteht eine Narbe, die das Herz in seiner Funktion einschränkt.

Herzrhythmusstörungen: Bei einer Herzrhythmusstörung schlägt das Herz entweder zu langsam, viel zu schnell oder unregelmäßig. In allen drei Fällen arbeitet das Herz nicht wirkungsvoll und kann nicht ausreichend pumpen.

Herzschwäche nach Infektionen: Auch Bakterien und Viren können das Herz dauerhaft schwächen. Entzünden sich beispielsweise die Herzklappen durch eine Besiedelung mit Bakterien (Endokarditis), vernarben und verkalken sie im Anschluss und schließen nicht mehr richtig. Das schwächt die Pumpleistung des Herzens. Auch eine erregerbedingte Entzündung des Herzmuskels (Myokarditis) kann eine dauerhafte Herzschwäche nach sich ziehen.

Angeborene Herzschwäche: Genetische Veränderungen oder Störungen in der Embryonalentwicklung können ebenfalls bewirken, dass die Struktur des Herzens verändert ist, sodass die Herzklappen nicht richtig schließen. Beim Pumpen wird dann ein Teil des Blutes nicht in den Körper gepumpt, sondern fließt zurück in die Herzkammer. Wodurch wiederum die Pumpleistung des Herzens beeinträchtigt wird.

Alkoholmissbrauch und Medikamente: Auch Alkohol und bestimmte Medikamente können das Herz dauerhaft schädigen.

Eine ganze Reihe von Erkrankungen, aber auch ein ungesunder Lebensstil begünstigen zudem die Entstehung einer Herzschwäche – beispielsweise, weil durch sie die Gefahr einer Arteriosklerose steigt. Dazu zählen:

  • Rauchen
  • Übergewicht
  • Bewegungsmangel
  • Diabetes mellitus
  • Niereninsuffizenz
  • hohe Blutfettwerte
  • fettreiche Ernährung
  • Alkohol
  • Gicht

Welche Beschwerden können auftreten?

Als erstes macht sich eine Herzschwäche dadurch bemerkbar, dass die Patienten sich müde fühlen, weniger belastbar und bei körperlicher Anstrengung schnell erschöpft sind. Verschlechtert sich der Zustand, bekommen sie unter körperlicher Belastung Luftnot und müssen häufig Pausen einlegen – beispielsweise beim Treppensteigen. Irgendwann treten die Beschwerden auch bei leichter körperlicher Anstrengung auf – und schließlich auch im Ruhezustand.

Bei einigen Erkrankten lagert sich auch Wasser im Körper ein, anfangs vor allem an den Händen und Füßen, später auch in der Leber, in den Beinen, in der Bauchhöhle und im Brustkorb. Durch die Wassereinlagerungen kommt es zu einer Gewichtszunahme. Da das Herz im Liegen weniger Kraft aufwenden muss, wird ein Teil der Wassereinlagerungen nachts über die Nieren ausgeschieden. Es kommt zum gehäuften nächtlichen Wasserlassen (Nykturie).

Welche Untersuchungen gibt es?

Bei Verdacht auf Herzinsuffizienz wird der Arzt oder die Ärztin zunächst eine gründliche körperliche Untersuchung vornehmen und dabei auch Herz und Lunge abhören. Herzgeräusche können Hinweise auf Herzklappenfehler geben, auch eine Herzrhythmusstörung kann so festgestellt werden. Rasselgeräusche über der Lunge deuten auf „Wasser in der Lunge“ hin, also einen Rückstau aus dem linken Herzen. Auch geschwollene Knöchel oder anderweitige Wassereinlagerungen im Gewebe können Zeichen einer Herzschwäche sein.

Tägliches Wiegen kann eine Gewichtszunahme aufdecken. Das steigende Gewicht ist bei Herzinsuffizienz Ausdruck von Wassereinlagerungen im Gewebe.

Röntgen: Auf dem Röntgenbild des Brustkorbs lässt sich die Herzgröße, Form und Lage beurteilen. Auch Wassereinlagerungen in der Lunge werden auf dem Röntgenbild sichtbar.

Elektrokardiogramm (EKG): Mit Hilfe eines EKGs lässt sich beispielsweise feststellen, ob der Patient schon früher einmal oder kürzlich einen Herzinfarkt erlitten hat. Ein Infarkt mündet oft in eine Herzschwäche. Herzrhythmusstörungen können im EKG oder Langzeit-EKG diagnostiziert werden.

Ultraschall (Echokardiographie): Während einer Ultraschalluntersuchung lässt sich die Funktion des Herzens beobachten. Dabei kann unter anderem festgestellt werden, ob die Herzkammern vergrößert sind, ob die vier Herzklappen richtig schließen, wie kräftig das Herz pumpt, ob sich Flüssigkeit im Herzbeutel sammelt und wie dick die Wände sind.

Herzkatheter-Untersuchung: Im Rahmen einer Herzkatheteruntersuchung lassen sich die Druckverhältnisse im Herzen messen und Verengungen der Herzkranzgefäße (Koronare Herzkrankheit) feststellen, die häufig Ursache für eine Herzinsuffizienz sind.

Blut- und Urinuntersuchung: Anhand von Blutanalysen lässt sich feststellen, ob der Körper ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird. Auch der Urin kann Hinweise auf mögliche Krankheiten liefern, die Auslöser der Herzschwäche sind.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Zunächst gilt es, die ursächliche Erkrankung optimal zu behandeln, damit das Herz nicht fortlaufend weiter Schaden nimmt. Dazu kann auch der Patient selbst beitragen, indem er sich gesund ernährt, Übergewicht abbaut und auf das Rauchen verzichtet. Durch gemäßigtes körperliches Training (zum Beispiel in einer Herzsportgruppe) lassen sich die Symptome und damit die Lebensqualität verbessern.
Auch wenn die Beschwerden einer Herzinsuffizienz noch nicht ausgeprägt sind, muss sie konsequent behandelt werden. Denn das Herz ist nur für einen gewissen Zeitraum in der Lage, durch Mehrarbeit die Schwäche auszugleichen: Dann fällt die Leistung stark ab.

Medikamente

Blutdrucksenker: Eine der wichtigsten Maßnahmen bei einer Herzschwäche besteht darin, den Blutdruck zu senken. Damit muss das Herz automatisch weniger Kraft aufwenden: Das Herz wird entlastet und die Pumpleistung verbessert sich. So kann auch einer zunehmenden Verschlechterung des Zustands entgegengewirkt werden. In der Regel verordnet der Arzt oder die Ärztin bei einer Herzinsuffizienz ACE-Hemmer oder Betablocker. Diese Medikamente wirken zusätzlich zur Blutdrucksenkung herzstärkend.

Harntreibende Mittel (Diuretika):
Diuretika sind für Patienten sinnvoll, bei denen sich Wasser einlagert. Sie fördern die Ausscheidung der überschüssigen Flüssigkeit und wirken blutdrucksenkend.
Aldosteronantagonisten, eine Untergruppe der Diuretika, sind für Herzinsuffizienz-Patienten nach einem Herzinfarkt oder bei eingeschränkter Leistungsfähigkeit der NHYA-Stufen drei und vier vorgesehen.

Digitalis: Digitalis, der Wirkstoff des roten Fingerhuts, ist eines der ältesten Herzmittel überhaupt. Es ist vergleichsweise schwierig zu dosieren und wird daher im Zusammenhang mit einer Herzinsuffizienz nur noch eingesetzt, wenn das Herz sehr schnell und unregelmäßig schlägt (tachyarrhythmisches Vorhofflimmern), um den Pulsschlag zu senken.

Operationen

Herzschrittmacher: Ein Herzschrittmacher wird erst ab NYHA-Stufe drei oder vier einer Herzinsuffizienz empfohlen, wenn das Herz zudem sehr langsam schlägt. Damit lassen sich sowohl die Symptome als auch das Risiko eines vorzeitigen Todes beeinflussen. Im englischsprachigen Raum spricht man von einer Cardiac Resynchronization Therapy (CRT). Der Herzschrittmacher wird in der Regel unterhalb des Schlüsselbeins unter der Haut platziert.

Kardioverter-Defibrillator (ICD): Ein implantierter Defibrillator, der wie ein Herzschrittmacher unter der Haut eingesetzt wird, kann durch gezielte Stromstöße lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen beenden. Dadurch sinkt das Risiko, am plötzlichen Herztod zu sterben. Er kommt für Patienten infrage, die bereits eine schwere Herzrhythmusattacke hinter sich haben, die unter dauerhaften anderweitig nicht behandelbaren Herzrhythmusstörungen leiden oder deren Herz dauernd deutlich zu schnell schlägt.

Herzklappenoperation: Arbeitet die Herzklappe zwischen linkem Vorhof und linker Herzkammer schlecht, kann eine Operation helfen. Dabei wird die Herzklappe korrigiert oder ausgetauscht (zum Beispiel Mitralklappen-Rekonstruktion).

Kunstherz: Ein „Kunstherz“, auch linksventrikuläres Unterstützungssystem (LVAD) genannt, wird eingesetzt, wenn die Pumpfunktion des Herzens schwer gestört ist. Es dient dazu, die Zeit zu überbrücken, bis eine Herztransplantation möglich ist oder auch wenn die Leistung des Herzens nach einer Infektion zeitweise herabgesetzt ist.

Herztransplantation: Die letzte Möglichkeit ist die Transplantation eines Spenderherzens. Sie kommt nur für Patienten mit sehr schwerer, nicht ausreichend behandelbarer Herzinsuffizienz in Frage.

Welche Folgeerkrankungen können auftreten?

Das Herz als zentrale Körperpumpe ist für die Versorgung aller Organe mit Sauerstoff und Nährstoffen zuständig. Arbeitet es nicht mehr ausreichend, drohen zahlreiche Folgeerkrankungen:

• Herzrhythmusstörungen
• Lungenödem (Wasser in der Lunge)
• Lungenembolie (Verschluss eines Blutgefäßes in der Lunge)
• Thrombosen (Verschluss einer Vene)
• akutes Nierenversagen
• chronische Bronchitis (Stauungsbronchitis)
• Untergewicht
• Schlafapnoe (nächtliche Atemaussetzer)
• Schlaganfall
• plötzlicher Herztod


Gibt es Unterschiede zwischen jung und alt?

Herzinsuffizienzen treten mit zunehmendem Alter immer häufiger auf. Die meisten Erkrankten sind im siebten und achten Lebensjahrzehnt.

Gibt es Unterschiede zwischen Mann und Frau?
Vor dem 70. Lebensjahr tritt die Herzinsuffizienz bei Männern häufiger auf als bei Frauen. Jenseits des 80. Lebensjahres sind Frauen häufiger betroffen. Das liegt vor allem daran, dass Frauen durchschnittlich älter werden als Männer. Insgesamt ist das Geschlechterverhältnis der Patienten in etwa ausgeglichen.

Weiterführende Informationen:
• Deutsches Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg, Patienteninformationen: www.chfc.uk-wuerzburg.de/informationen-fuer-patienten.html
• Patienteninformationen der Arbeitsgruppe Herzinsuffizienz (HFA) der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie: heartfailurematters.org (http://www.heartfailurematters.org/DE/F%C3%BCrPflegepersonen/Seiten/supportnetworks.aspx;)
• Patienten-Leitlinie Herzschwäche (zur Nationalen Versorgungs-Leitlinie Chronische HerzinsuffizienzVersion 1.0 vom 09. Mai 2011
• Deutsche Herzstiftung e.V.: www.herzstiftung.de

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