Jürgen Wisotzki, Weltenbummler, über sein Leben mit Telemedizin

Wie kamen Sie ins telemedizinische Betreuungsprogramm?

Schon 1961 hatte mir der Arzt nach dem Abhören gesagt: „Ihr Herz schlägt auffällig laut“. Aber erst 2002 wurde bei einer Untersuchung im Klinikum festgestellt, dass meine linke Herzklappe sehr schlecht schließt. Ich habe deshalb eigentlich nie gesundheitliche Probleme verspürt. Im April 2005 erhielt ich dann ein Schreiben mit dem Angebot zur telemedizinischen Betreuung. Das legte ich erstmal zur Seite. Ein Jahr später habe ich mich dann entschlossen mitzumachen und bin seitdem Programmteilnehmer. 2007 erhielt ich einen Herzkatheter.

Welche Betreuungsbestandteile nutzen Sie?

Ich habe ein mobiles EKG-Gerät zuhause, mit dem ich vierteljährlich meine EKG-Daten übertrage und einen Blutdruckmesser, welcher täglich den Blutdruck und meinen Puls erfasst. All diese Daten werden an das Telemedizinische Zentrum übertragen, ausgewertet und stehen dann auch per Internet zur Verfügung. Meine Kardiologin, mein Hausarzt und ich können mit den entsprechenden Zugangsdaten bequem darauf zugreifen. Wenn ich verreise, habe ich das EKG und den Blutdruckmesser immer dabei. So kann ich auch im Notfall schnell meine Messwerte übertragen.

Trotz Herzkrankheit sind Sie sehr aktiv. Wie würden Sie Ihr Leben beschreiben?

Meine Frau und ich waren schon immer viel unterwegs. Daran hat meine Herzkrankheit nichts geändert. Nur 2007, vor einer Herzkatheteruntersuchung, musste ich eine Weile pausieren. Insgesamt war ich schon in 65 Nationen; in den Wüsten Gobi, Atacama und Namib genauso wie am Kap der Guten Hoffnung. Erst kürzlich bin ich von einer Expeditionskreuzfahrt im Nordatlantik (Island, Spitzbergen und Grönland) zurückgekehrt. Zuhause absolviere ich dreimal die Woche ein Fitnessprogramm in einem professionellen Fitnessstudio. Eine Spezialität sind meine Brockenwanderungen. Bisher war ich 120 Mal auf dem höchsten Berg (1.142 Meter) des Harzes. Ich weiß aber sehr genau, dass längst nicht jeder Herzkranke so aktiv sein kann. Meine Kardiologin sagt immer: „Ihr Herz ist ein Phänomen“. Ich denke allerdings schon, dass sie ganz froh wäre, wenn ich etwas kürzer treten würde.

Können Sie auf Ihren Reisen die Telemedizin nutzen?

Selbstverständlich. Wenn ein EKG-Termin in die Reisezeit fällt, dann übermittle ich die Daten vom Urlaubsort aus per Handy. Ich muss es dazu nur über das angelegte EKG-Gerät halten und los geht’s. Während der Kreuzfahrt zum 80. Breitengrad habe ich aber keine Daten übertragen. Aber selbst da wäre es im Notfall per Satellit möglich gewesen.

Rückblickend – hat die Telemedizin Ihr Leben bereichert?

Aktiv wäre ich so oder so geblieben. Da ist einfach diese Neugier in mir, die mich antreibt. Aber dank der Telemedizin kann ich beruhigter auf Reisen gehen. Ich weiß, dass ich im Notfall optimal versorgt werde – weil alle Daten greifbar sind. Auch Ärzte und Klinik sind bei Bedarf vernetzt. Ich freue mich also, dass ich auch mit 73 Jahren meine Neugier noch ausleben kann. Unser Wunschtraum für die nächsten Jahre ist eine Weltreise per Kreuzfahrtschiff um unseren schönen blauen Planeten.