Leben nach Herzinfarkt: Zurück in den Alltag

Nach einem Herzinfarkt endlich wieder zu Hause – doch wie geht es dann weiter? Sollte man auf bestimmte Dinge achten oder sich ganz zurücknehmen? Wie kann man als Freund oder Verwandter einen Betroffenen unterstützen? Lesen Sie hier, wie sie behutsam in den Alltag zurückfinden.

gut gelaunte kollegen in einer besprechung © contrastwerkstatt / Fotolia

Medizinische Versorgung nach dem Herzinfarkt

Seien Sie sich darüber bewusst, dass die medizinische Versorgung und die Überwachung nach dem Herzinfarkt besser sind, als zuvor. Jetzt werden Sie regelmäßig überwacht und Ihre Medikamente sind ideal dosiert. Bei Routineuntersuchungen werden Ihre Werte gecheckt und Ihre Medikamentendosierung geprüft. Diese Termine sollten Sie unbedingt einhalten.

Austausch in Herzgruppen

Sie sind nicht allein. In jeder größeren Stadt gibt es Herzgruppen. Hier treffen sich Herzkranke und Menschen, die einen Herzinfarkt hatten, zum Austausch. Hier können Sie sich mit gleichgesinnten treffen und profitieren von den wertvollen Erfahrungen anderer Betroffener. Mit den anderen Teilnehmern können Sie ohne Scheu über Ihre eigenen Erfahrungen berichten oder über Ihre Ängste und Sorgen sprechen.

Den Alltag meistern – Was darf ich und was nicht?

Was Sie im Alltag leisten können oder dürfen, kann Ihnen nur Ihr behandelnder Arzt sagen. Er wird Sie gründlich untersuchen und Ihnen eine Empfehlung aussprechen. Hören Sie zudem auf Ihren Körper: Er wird Ihnen signalisieren, wenn Sie sich überanstrengen. Seien Sie nicht zu ehrgeizig!

Zunächst sollten Sie, sofern Ihr Arzt es erlaubt, behutsam die gewohnte Hausarbeit wieder aufnehmen und in einen „normalen“ Tagesrhythmus zurückfinden. Machen Sie sich morgens ein Frühstück, genießen Sie Kaffee aber nur in Maßen. Koffein kann einen leicht erhöhten Blutdruck verursachen. Es gibt keinen medizinisch gesicherten Grund, auf Kaffee zu verzichten. Jedoch sollten Sie keine großen Mengen als „Aufputschmittel“ zu sich nehmen. Nach dem Frühstück können Sie Sie leichte Hausarbeiten erledigen, vielleicht kochen Sie sogar mittags etwas zu Essen. Am Nachmittag gönnen Sie sich ein wenig Entspannung.

Finden Sie etwas, dass nicht zu anstrengend ist und das Ihnen Spaß macht: Vielleicht lesen Sie gerne oder machen kleine Spaziergänge?

Lassen Sie den Abend ruhig ausklingen, aber verzichten Sie weitestgehend auf Alkohol. Zahlreiche Studien der letzten Jahre haben gezeigt, dass Alkohol das Risiko einer koronaren Herzkrankheit günstig beeinflussen kann. Die tägliche Menge von 10 bis 20 Gramm Alkohol sollten Sie keinesfalls überschreiten. Das entspricht bei Frauen etwa 150 ml Wein oder 0,4 l Bier und bei Männern 200 ml Wein bzw. 0,5 l Bier.

Immer ein guter Rat: Stress reduzieren

Weniger Stress – das bedeutet nicht nur für Ihr Herz eine geringere Belastung, auch Sie selbst werden glücklicher und zufriedener Leben, wenn Sie lernen, Stressfaktoren zu verringern oder sogar abzuschalten. Überlegen Sie selbst, wie Sie Ihrem Alltag oder Beruf den Stress nehmen können. Wenn Sie Schwierigkeiten damit haben oder nur schlecht mit stressigen Situationen umgehen können, kann Ihnen ein Stressmanagement-Seminar vielleicht helfen. Hier lernen Sie viel über sich selbst, die Auslöser und was sie selbst zur Veränderung beitragen können.

Sport: Ja oder nein?

Sport gilt als gesund. Er kann den Blutdruck senken, dient dem Stressabbau und steigert die Fitness und das Wohlbefinden. Sie sollten jedoch auf keinen Fall nach einem Herzinfarkt drauflos sporteln. Nach Absprache mit Ihrem Arzt sollten Sie zunächst eine Herzsportgruppe in Ihrer Nähe aufsuchen. Unter der Aufsicht von erfahrenen Medizinern und Betreuern trainieren Sie schonend und unter professioneller Aufsicht.

Sie erhalten dort auch wertvolle Ratschläge zu den Themen Sport, Gesundheit und Ernährung und genießen stets eine gute Betreuung. So ist sichergestellt, dass Sie sich nicht überfordern.

Herzfit-Service – Mehr Sicherheit für Alltagssituationen

Häufig sind es harmlose Situationen, die Menschen, die bereits einen Herzinfarkt erlitten haben, verunsichern. Man verhebt sich an einer Getränkekiste den Rücken und es schmerzt zufällig auf der linken Seite – ein Schreckensmoment. Genau dann, wenn Sie unsicher sind, ist es beruhigend, immer sofort den medizinischen Ansprechpartner beim Herzfit-Service zu haben, der Ihre persönliche Krankheitsgeschichte kennt. Selbst bei scheinbar geringen Symptomen können Sie Tag und nachts anrufen an 365 Tagen im Jahr!

Ein kleines EKG-Gerät, das Sie sich im Bedarfsfall anlegen und damit ihr 12-Kanal-EKG per Festnetz oder Mobilfunk an das Telemedizinische Zentrum übertragen. Ihr medizinischer Betreuer analysiert das EKG sofort telefonisch und kann Ihnen Entwarnung geben oder im Ernstfall die Rettungsleitstelle informieren.
Beruhigung und mehr Sicherheit: Sieben Tage die Woche, 24 Stunden – so oft Sie möchten.

Keine Scheu: Bitten Sie um Hilfe

Wenn Sie merken, dass einige Tätigkeiten zu anstrengend sind, scheuen Sie sich nicht, Freunde oder Verwandte um Hilfe zu bitten. Sei es der Wocheneinkauf, Rasenmähen oder Fensterputzen: Ihre Lieben werden sicher froh sein, wenn Sie sie unterstützen können. Viele Menschen sind erstmal überfordert, wenn ein naher Verwandter einen Herzinfarkt hatte. Sie möchten gern helfen, wissen aber nicht so recht, wie sie sich verhalten sollen und möchten sich auch nicht aufdrängen. Fragen Sie deshalb ganz gezielt nach, wer Zeit für welche Aufgaben hat. Sicher finden sich schnell Freiwillige, die Ihnen auf dem Weg zurück in den Alltag behilflich sind.

Wie kann ich Betroffene unterstützen?

Hatte ein Elternteil, ein Verwandter, Freund oder Ihr Partner einen Herzinfarkt? Seien Sie für denjenigen da. Ganz egal, ob er nur Gesellschaft, einen Gesprächspartner oder Hilfe im Alltag benötigt. Manchmal trauen sich Betroffene auch nicht, direkt zu fragen – bieten Sie daher von sich aus Hilfe an, zum Beispiel: „Oh, dein Rasen müsste auch mal wieder gemäht werden. Ich mache das gern am Samstag und wenn du magst, können wir danach noch etwas zusammen trinken“. Das wirkt unaufdringlich und hilfsbereit. Sie signalisieren ihm dadurch, dass Sie gern bereit sind, ihm zu helfen und auch am Gespräch interessiert sind.
Seien Sie aufmerksam: Wenn Sie merken, dass er sich übernimmt, suchen Sie das Gespräch oder nehmen ihm die Arbeit ab.
Der Weg in den Alltag ist nicht immer leicht und erfordert eine gewisse Umstellung. Seien Sie nachsichtig mit sich selbst und verlangen Sie Ihrem Körper nicht zu viel ab. Mit der Zeit gewöhnen Sie sich an viele Umstellungen.

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