Zurück in den Beruf nach dem Herzinfarkt

Nach einem Herzinfarkt zurück in den Beruf zu kehren, ist für viele Menschen eine echte Bereicherung: Man pflegt soziale Kontakte, bleibt in Bewegung und wird auch geistig gefordert. Je nach Schwere des Infarkts und wie schnell er behandelt wurde, sollten jedoch einige Dinge beachtet werden. Berufe, die körperlich anstrengende Arbeiten erfordern, können gegebenenfalls nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr ausgeübt werden. Lesen Sie hier, welche Möglichkeiten Sie haben und wie Sie ins Leben nach einem Herzinfarkt zurückfinden.

People at work in their office © Minerva Studio / Fotolia

Zurück in den Beruf – ein Stück Normalität

Der Wunsch, nach einem Herzinfarkt ins Berufsleben zurückzukehren, ist häufig mit Verunsicherung verbunden.

Ab wann darf ich wieder arbeiten? Kann ich meinen Beruf überhaupt weiter ausüben? Welche Möglichkeiten habe ich, falls nicht? Können mir stressige Arbeitstage schaden?

Zunächst sollten Sie Ihre behandelnden Ärzte und Betreuer um eine Einschätzung bitten. Sie werden Sie so lange krankschreiben, wie es Ihr Zustand erfordert. Seien Sie, was Ihr Wohlbefinden angeht, unbedingt ehrlich zu Ihren Ärzten und muten Sie sich nicht zu viel zu. Auch mit Ihrem Arbeitgeber oder Vorgesetzten sollten Sie offen sprechen: Sagen Sie ihm klar, wie die Prognose aussieht und lassen Sie sich keinesfalls unter Druck setzen.

Je nach Schwere des Herzinfarktes, Risikofaktoren und eventuellen Folgeschäden kann die Krankschreibung unterschiedlich lang ausfallen: Einige gehen schon nach drei Wochen wieder arbeiten, bei anderen dauert es länger bis zur Genesung. Hier gibt es keine Faustregel.

Kann ich meinen alten Beruf nach einem Infarkt weiter ausüben?

Ob Sie in Ihren alten Beruf zurückkehren können, hängt stark davon ab, wie schwer Ihr Infarkt war und wie sehr Ihr Beruf Sie körperlich fordert. Einige Berufe, die eine starke körperliche Belastung darstellen (z. B. Handwerker, Pflegeberufe) oder die Sicherheit anderer gefährden (z. B. Feuerwehrmann, Pilot), können in Einzelfällen nicht mehr ausgeübt werden. Diese Entscheidung müssen Sie gemeinsam mit Ihrem Arzt treffen.

Entscheiden Sie sich dafür, wieder in Ihren alten Beruf zurückzukehren, sollten Sie es langsam angehen. In vielen Fällen ist eine „stufenweise Wiedereingliederung“ möglich.

Das Ziel dieser Maßnahme dient der schrittweisen Gewöhnung an die alte Arbeitsbelastung und kann den Einstieg enorm erleichtern. Für die stufenweise Wiedereingliederung benötigen Sie das Einverständnis Ihres Arbeitgebers, der Krankenkasse und des behandelnden Arztes. Die Dauer der Maßnahme ist von Ihrem Gesundheitszustand abhängig; Sie kann zwischen sechs Wochen und sechs Monaten dauern.

Bei regelmäßigen Untersuchungen kann Ihr Arzt entscheiden, die Maßnahme zu verlängern oder zu verkürzen. Bei der Wiedereingliederung wird die tägliche Arbeitszeit schrittweise erhöht, bis – im Idealfall – die volle bzw. normale Arbeitszeit erreicht ist.

Umschulung oder Berufswechsel – Ihre Perspektiven

Ist es Ihnen nicht möglich, nach dem Herzinfarkt in Ihren alten Beruf zurückzukehren, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Wenn Sie sich grundsätzlich in Ihrem alten Betrieb wohlfühlen, können Sie um eine interne Versetzung bitten. In vielen Firmen ist es möglich, einen Posten zu erhalten, der Sie körperlich weniger fordert.

Ist das in Ihrem Fall nicht möglich, sollten Sie – je nach Alter und Gesundheitszustand – mit Ihrem behandelnden Arzt und Ihrer Arbeitsagentur über Alternativen sprechen. Umschulungen, Aus- oder Weiterbildungen können Ihnen neue, spannende Perspektiven aufzeigen.

Stress im Beruf – Wie Sie damit umgehen

Stress lässt sich im Berufsleben nicht vermeiden – es wird immer gute und schlechtere Tage geben. Stress ist jedoch auch kein direkter Auslöser von Herzinfarkten und daher in „gesunden Dosen“ als Risikofaktor zu vernachlässigen.

Viel wichtiger ist es, dass Sie lernen, mit Stresssituationen umzugehen und sich davon nicht nachhaltig beeinflussen zu lassen. Doch was können Sie tun, um sich vom Stress nicht stressen zu lassen?

Work-Life-Balance. Sorgen Sie für eine ausgewogene Work-Life-Balance. Suchen Sie sich einen Ausgleich, wie zum Beispiel den Austausch und Sport in Herzgruppen, leichte Gartenarbeit oder Ausflüge mit der Familie.

Durchatmen. Bauen Sie sich jeden Tag ein kleines Zeitfenster zum Durchatmen und Runterkommen ein. In dieser Zeit setzen Sie sich in die Natur, lesen ein Buch, trinken eine Tasse Tee, oder machen, wozu auch immer Sie gerade Lust haben.

Seminare. Es gibt spezielle Stressmanagement-Seminare in denen Sie viel über sich lernen können. Erkennen Sie Ihre Stressauslöser, können Sie diese häufig meiden und lernen den richtigen Umgang damit. Hier bekommen Sie auch individuelle Tipps, wie Sie Stresssituationen deeskalieren und verarbeiten.

Akzeptanz. Den meisten Stress machen wir uns selbst – das muss nicht sein. Gestehen Sie es sich ein, wenn es Ihnen zu viel wird und akzeptieren Sie Ihre Grenzen. Wenn Sie mögen, weihen Sie Ihren Chef oder Ihre Kollegen ein. Sicher haben sie Verständnis für Ihre Situation und sind Ihnen gern behilflich.

Ein neuer Beruf – offen mit dem Herzinfarkt umgehen?

Wenn Sie sich in der Bewerberphase befinden, sind Sie nicht verpflichtet, Ihren neuen Arbeitgeber über einen vergangenen Herzinfarkt oder eine chronische Krankheit zu informieren. Lediglich, wenn bei Ihnen eine Schwerbehinderung vorliegt, muss der Arbeitgeber informiert werden. Einige chronische Krankheiten verbieten die Ausübung bestimmter Berufe – in diesem Fall sollten Sie natürlich von einer Bewerbung absehen.

Ob Sie Ihren neuen Arbeitgeber informieren möchten, entscheiden Sie am besten selbst. Ein informierter Arbeitgeber wird zum Beispiel eher bereit sein, Sie in schwierigen Situationen zu unterstützen und bringt Ihnen in außergewöhnlichen Situationen eher Verständnis entgegen, als einer, der nichts von Ihrer Vorgeschichte weiß. Andererseits kann es natürlich passieren, dass ein vermeintlich gesunder Bewerber bei der Einstellung bevorzugt behandelt wird.

Erwerbsunfähig – und nun?

Erwerbsunfähigkeit nach einem Herzinfarkt, ist kein Grund zu verzweifeln. Wenn Sie sich dazu in der Lage fühlen und Ihr Arzt sein Okay gibt, können Sie zum Beispiel einige Stunden in der Woche leichte ehrenamtliche Tätigkeiten ausführen.
Alternativ suchen Sie sich Hobbys, die Ihnen Spaß machen: Egal, ob Sie gern gärtnern, nähen, lesen oder heimwerken – sicher finden Sie einen Zeitvertreib, der Ihnen Freude bereitet.

Wichtig zu wissen für Sie:
Wenn Sie unsicher sind und gerade auch nachts wach liegend zweifeln, können Sie als Herzfit-Service Teilnehmern immer bei unserem medizinischen Fachpersonal anrufen. Manchmal ist es schon beruhigend genug, wenn Ihnen Fachleute zuhören. Sie sind nicht allein. Viele sind verunsichert vor dem ersten Arbeitstag „danach“ – bei aller Vorfreude darauf, in den Alltag zurück kehren zu können.
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